„Da war so ein unsichtbares Band, das mich zurück an die Kinderklinik geholt hat“
Jule Noll – selbst Frühchen und jetzt in der Kinderklinik zur Ausbildung als Pflegefachkraft
Hauzenberg/Passau. „Wenn man sich nach fast 18 Jahren noch genau an die Stelle erinnert, wo eine Patientin gelegen hat, dann sagt das einiges“, blickt Oberarzt Michael Zeller zurück auf die Geburt und die Versorgung von Jule Noll.
Seit nunmehr knapp 20 Jahren ist der Mediziner in der Neonatologie tätig. Als Jule auf die Welt kam, befand er sich im zweiten Ausbildungsjahr in der Kinderklinik Dritter Orden Passau: „Kinder wie Jule sind sehr prägend gewesen. Über Wochen beatmet, mit einer Lungenproblematik, die uns auch in den Nachtdiensten einige Nerven gekostet hat. Sie hatte schon damals einen großen Willen, keine Lust auf unsere Atemunterstützung und hat immer wieder gegen den Tubus gedrückt“, weiß Zeller noch genau. Und auch EBZ-Stationsleiterin Luise Resch-Veit weiß noch um die turbulente Anfangszeit: „Ich hatte Dich oft im Arm. Du hast einige Alarme ausgelöst – von Bett 11 ausgehend, im hinteren Eck des früheren Neoraums.“ Das Team der Kinderklinik war damals schon Wochen vor der Entbindung auf Jule vorbereitet. „Erste Blutungen traten bei der Mama bereits in der 10. Schwangerschaftswoche auf, ab da war sie stationär im Klinikum. In der 17. Woche folgte dann der Blasensprung. Gemeinsam haben wir verschiedene Stadien durchlebt: Von ‚wir können das Kind nicht versorgen‘, über ‚es ist an der Grenze der Lebensfähigkeit – was nun?‘, bis zu einer ordentlichen Schlagdistanz, mit der Jule dann in der 28. Schwangerschaftswoche auf die Welt kam.“ Es folgten Monate der Versorgung auf der Intensivstation der Kinderklinik, die die Eltern in einem Fotoalbum festgehalten haben.
Heute ist Jule Noll aus Hauzenberg wieder in der Kinderklinik – nicht zu Besuch, sondern als angehende Pflegekraft. Im September 2025 hat sie ihre Ausbildung an der Berufsfachschule für Pflege in der Kinderklinik aufgenommen. „Da war irgendwie so ein unsichtbares Band, das mich zurück an die Kinderklinik geholt hat“, erklärt sie ihre Beweggründe. Bis sie ihren Weg in der Kinderklinik aufgenommen hat war ihre Frühgeburt nie groß Thema zu Hause. „Eigentlich wäre ich ein Drilling gewesen“, erzählt Jule. Vor allem im Zusammenhang mit dem Ausbildungsstart in der Kinderklinik hat sie sich mit ihrer Mama oft zusammengesetzt: „Wir haben über meine Geburt und die Anfangszeit in der Kinderklinik gesprochen“, zeigt sie Bilder aus ihrem Fotoalbum. Auf einigen ist sie auch mit der heutigen Stationsleiterin Luise Resch-Veit zu sehen. Denn schon damals hat das Team sehr großen Wert daraufgelegt, kleine Erinnerungen für die Eltern zu schaffen: „Das erste Mal Stillen, Kuscheln oder auch der erste Muttertag – es sind oft diese kleinen Gesten, die den Eltern viel Kraft geben“, so die EBZ-Leiterin.
Jules Eltern sind heute sehr stolz, dass ihre Tochter den Weg in die Pflege eingeschlagen hat. „Mama ist auch Krankenschwester und wir können uns gut austauschen“, erzählt die bald 18-Jährige. Die Ausbildung gefällt ihr gut – der Praxiseinsatz im EBZ steht noch bevor. Dies wird sicherlich nochmals ein besonderes ersten Mal für Jule Noll und auch für den Neonatologen Michael Zeller, der sich schon heute freut, dass er Jule zu seiner Kollegin zählen darf, als angehende junge Pflegekraft in der Ausbildung an der Berufsfachschule für Pflege an der Kinderklinik. „Das symbolisiert schon auch die Sinnhaftigkeit unserer Arbeit, die wir tagtäglich machen. Man sieht das Ergebnis von mancher durchgerockten Nacht – das ist erfüllend. Einfach cool“, schließt der Oberarzt das Album.

Foto (Stefanie Starke): (v. r.) EBZ-Stationsleiterin Luise Resch-Veit, Jule Noll, Oberarzt Michael Zeller und Simon Schönbrunner.















